DiVeRsiTy
Heute habe ich IBM von einer Seite genauer kennengelernt, die ich sehr
wertvoll finde und in Deutschland so noch nicht kennengelernt habe.
Heute mittag war fuer alle Co-Ops ein Barbecue - ein/zwei Stunden Arbeit
schwaenzen - mit Spielen und viel fettem Fleisch. Amerikanisch gut, aber
viel interessanter waren die Informationsstaende diverser
Mitarbeiterassoziationen, die die Angehoerigen der unterschiedlichen
Religionen und Rassen repressentieren und ihre Werte vertreten wollen.
Das Wort Rasse im Sinne von Hautfarbe ist in Amerika kein tabuisiertes
Wort, und man findet es auf nahezu jedem oeffentlichen Formular im
Abschnitt der Personenangaben (Black, Asian, Hispanic, Native, White).
IBM ist ein Equal Employer und stellt Menschen aller Herkunft und
Orientierung ein, stellt sich klar gegen jede Diskreminierung und
unterstuetzt auch Menschen mit Behinderungen (Gehoerlose, Gehbehinderte)
indem spezielle Busse zur Arbeit fahren oder die Bueros entsprechend
umgeruestet werden. Menschen mit Down-Syndrom machen Arbeiten in Hof und
Gruenanlagen. Die Partner von homosexuellen Mitarbeitern werden zum
Beispiel bei Zahlung von Umzugsbeihilfen gleichermaszen beruecksichtigt
wie die Ehepartner heterosexueller Mitarbeiter (IBM bezahlt
Entschaedigung fuer Dienstreisen oder jobbedingte Umzuege).
Ich habe sehr lange mit Jeremy, einem jungen Cherokee Inianer aus
Oklahoma gesprochen, der sich dafuer einsetzt mehr Angehoerige seiner
"Rasse" fuer IBM zu gewinnen und andere IBMer ueber deren
Bildungssituation aufmerksam zu machen. Die "schwarzen" Maedels haben
uebrigens und getanzt (Mittags im Innenhof von IBM) und der Organisator
des BRBQs (hier wird alles abgekuerzt) ein "schwarzer" hat aufgelegt.
D I V E R S I T Y
never rains in southern California
... hier im Norden zumindest nicht von April bis Dezember
Hi folks,
liebe Gruesse aus dem Sonnenstaat Californien. Ich bin vor 3 Wochen gut
und mit allem Gepaeck zusammen in San Jose angekommen. Nach der ersten
Nacht in einem Motel in einem eher bedenklichen Stadtteil habe ich auch
gleich eine Bleibe in Downtown San Jose gefunden, die mir immer noch
gefaellt und mich beherbergt. Ich wohne in einem Zimmer in einem 1920er
Holzhaus und teile Bad und Kueche mit etwa 6 Durchschnittsamerikanern.
Die Stadt - oder der urbane Zusammenschluss riesiger Vororte
in der Bay Area - hat mich ziemlich ueberwaeltigt. Hier ist viel mehr
anders als ich dachte und wahrscheinlich auch anders als der Rest der
USA. Die Bevoelkerung hier ist eine Mischung aus Mexikanern und
Chinesen/Japanern, ein paar Weisse und Schwarze. Manchmal fuehlt man
sich auch wie in Mexiko, spanisch ist hier zweite Verwaltungssprache,
teilweise einzige Kommunikationsmoeglichkeit. Das Zusammenleben in
diesem Kulturgemisch funktioniert jedoch gut und es gibt scheinbar
keinen Rassismus oder Bandenkriege.
Anders ist hier wie erwartet das Essen und der Umgang mit Geld, was hier
wahrscheinlich auf Baeumen im Hinterhof der Vororthaeuser waechst. Das
Essen aus dem Supermarkt ist nach deutschem Empfinden einfach schlecht,
das Brot ist weich wie Federbett und mit Zucker, aber absolut "No
Carbs". Und teuer: ein Brot kostet schon mal $4,- und ein Stueck Butter
$3,80 und Frischkaese $3,60 - vom Obst und Gemuese ganz zu schweigen.
Wiedererwarten ist das Essen aus den sehr verschiedenen "Fast
Food"-Restaurants sehr lecker und billiger als selbst einzukaufen und zu
kochen - ganz anstrengend fuer die Figurdisziplin ist das
all-you-can-eat concept :-) zudem gibt's fuer gesundheitsbewusste
Californier auch Salate und Obst.
Die Landschaft hier ist sehr karg, Steppe, Berge wenige Baeume,
Mexikomaessig wie im Western, aber irgendwie schoen!
Im allgemeinen ist hier auch alles groesser: Staedte, Autos,
Entfernungen, Landschaft, Baeume, Preise und Autos. Golf ist das
kleinste erwerbbare Auto und ein Mercedes E-Klasse gerade mittelgross.
Weil man hier ohne Auto beinahe nirgendwo hinkommt, habe ich mir fuer
die ersten 2 Wochen ein Auto gemietet und somit die Chance gehabt
einiges zu erkunden. Ich war noch am ersten Tag in San Francisco und es
war super schoen diese Stadt real zu erleben, wenn auch nur
Drive-through maessig. Am zweiten Tag war ich am Meer, was leider etwa
eine Stunde entfernt ist. Sieht sehr schoen aus ist aber super kalt! Auf
dem Weg dahin faehrt man durch Berge mit ueppigem Wald und riesigen
Redwoods (Urweltmamutbaeume). Es fliegen hier viele Adler durch die
Luft, die die zu vielen niedlichen Squirrels (Erdhoernchen) fressen. Zur
hiesigen Fauna gehoeren auch Hummingbirds (Kolibris), Albatrosse,
Seehunde und Skunks (Stinktiere), wenige Hunde, dafuer viel Taubenkacke.
Ich arbeite bei IBM in den Silicon Valley Labs mitten in der Steppe 5 min
nach dem letzten Schuppen im Sueden von San Jose. Ich bin einer von
2200 Mitarbeitern dort in einer kleinen Stadt mit Caffetaria, Post und
eigener Bankfiliale. Die Menschen da sind super nett und hauptsaechlich
aus Indien, China und Deutschland (ein paar Amerikaner gibts natuerlich
auch). Ich sitze in einem 2-Mann-Buero mit Fenstern und einem anderen
deutschen Co-Op. Ueberhaupt spreche ich viel zu viel deutsch hier. Die
Arbeit selbst macht mir viel Spass und ist herausfordernd.
Arbeit... da bin ich gleich angekommen. Ich sitze gerade in einem der
wenigen oeffentlichen Verkehrsmittel - der Lightrail - auf dem Weg zur
Arbeit. Mein Arbeitsrechner ist zum Glueck ein Notebook, so kann ich vor
und nach der Arbeit emails schreiben.
Ich koennte allein ueber 2 Tage hier Seiten schreiben, aber dafuer bin
ich einfach zu faul - das ist uebrigens auch ziemlich amerikanisch!
Also dann: Buennos! oder so wuerden die Einheimischen hier sagen.
Macht's gut und ich freu mich ueber emails! und comments (duerfen auch deutsch sein)